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Illusionen

Ich bin bei Klaudia in etwa wieder da angelangt, wo ich vor zwei Jahren schon einmal stand. Es war ehrlich gesagt absolut illusorisch von mir zu denken, ich stünde da jetzt drüber, nur weil zwei Jahre und jede Menge Kummer dazwischen liegen.

Das gegenseitige Vertrauen wuchs, man erzählte sich auch Dinge, die zuvor absolut tabu waren. Ich war nicht mehr ganz und gar das pure schlechte Gewissen. Ich genoss diese relative Nähe, denn ich hoffte, man könnte tatsächlich die Vergangenheit auf diese Weise bewältigen und eine Basis schaffen für eine ganz normale Freundschaft. Wirklich, das hoffte ich. Andererseits behielt und behält Klaudia noch immer sehr viele Dinge für sich. Noch immer hat sie die starke Befürchtung, ich könnte eines Tages all das, was ich über sie weiß, wieder gegen sie verwenden, so wie damals. Noch immer weiß ich z. B. nicht, wo sie wohnt, seit sie aus der ehelichen Wohnung ausgezogen ist. Ich weiß nur, sie wohnt nach wie vor im gleichen Ort, wie ich.

Auch in anderer Hinsicht befürchtet sie die Wiederholung der Vergangenheit und brachte keinen geringen Teil unserer gemeinsamen Stunden dafür auf, mich immer wieder darauf hinzuweisen, dass ich nichts, aber auch rein gar nichts von ihr zu erwarten habe – außer der Bereitschaft, gut mit mir befreundet zu sein. Bis vor etwa zwei Monaten sah es auch ganz so aus, als könne das wirklich gut funktionieren. Denn ich wollte es auch gar nicht anders. Aber das hat sich leider als Illusion herausgestellt. Durch die ganze Art, wie man miteinander umgeht, hat Klaudia mir einen Großteil meines wirklich großen schlechten Gewissens nehmen können. Das war aber genau der Moment, vor dem ich von Anfang an, also seit Mai diesen Jahres, am meisten Angst hatte: was wird zu Tage treten, wenn mein schlechtes Gewissen ihr gegenüber nicht mehr allumfassend und alles überlagernd sein wird? Ich hatte wirklich gehofft, daß nie mehr das passiert, was nun aber doch eine Tatsache ist: ich sehne mich nach ihr mit jeder Faser meines Seins. Sie ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit und ein ganz besonderer Mensch. Jemand, mit dem man sehr gerne Zeit verbringen möchte. Jemand, in den man höchst ungern unglücklich verliebt sein will.

Dennoch hatte ich vor, zumindest zu versuchen, meine Gefühle für sie irgendwie zu unterdrücken und darauf zu hoffen, daß es sich irgendwie und irgendwann wieder legt. So wie es schon ein paar Male bei anderen Frauen der Fall gewesen war. Es hat zwar immer eines unglaublichen Kraftaktes dafür bedurft, und das Niedertrampeln von Emotionen hat natürlich auch seine Spuren in meinem Wesen bewirkt.

Auch bei Klaudia sah es zunächst recht gut aus, als könne es unkompliziert bleiben. Wäre mir wirklich, wirklich lieber gewesen. Ich bin weit weniger masochistisch veranlagt als es den Anschein hat! Aber, wie gesagt, bei ihr ist es eindeutig was Besonderes. Da es noch gar nicht so lange her ist, dass ich für jemand anderen ähnlich empfunden hatte, nämlich für Astrid und (mit Abstrichen) auch für Melanie, kann ich in mir sowas ähnliches wie ein Echo jener Gefühle erahnen – und durchaus Vergleiche ziehen. Es ist nun leider alles wieder da: die Bauschschmerzen, die mangelnde Fähigkeit, an irgendetwas anderes zu denken als an sie, die Appetitlosigkeit (willkommen!), die Fressattacken (nicht so willkommen) – und alles andere halt, wovon jedes Liebeslied in dur und moll rund um den Globus handelt.

Eine alte Freundin von mir hat mir neulich das schönste Stück Literatur zum Geschenk gemacht, das ich jemals in Händen hielt: sie schilderte mir in einem Brief, wie sie die Liebe sieht, wie sie sie erlebt hat und trifft die Schlussfolgerung, dass es nur eine einzige richtige Liebe im Leben gibt. Diesen Brief habe ich auszugsweise vor ein paar Wochen hier veröffentlicht, denn er verdient es, von mehr Menschen gelesen zu werden.

Steffis Sichtweise über die Liebe kenne ich seit Jahren – und habe mich bislang sehr erfolgreich gegen diese Theorie der Einmaligkeit gewehrt. So langsam aber fehlen mir die Argumente. Denn Klaudi könnte sie sein, diese Liebe meines Lebens. Schreckliche Vorstellung. Wirklich.

Ich bin zutiefst verwirrt und schlafe seit knapp drei Wochen extrem schlecht, esse mal tagelang gar nichts, schlage dann wieder zu wie ein Mähdrescher…tja, die Liebe halt…und alles andere…

Alles was da in mir für sie wieder erstarkt war, versuchte ich wochenlang zu ignorieren. Denn ich hasse diese sinnlose Vergeudung von Liebe an Menschen, die sie gar nicht wollen und mir damit nur übelste Schwierigkeiten machen! Ich bin sicher, es gelang mir, das alles vor ihr zu verbergen, denn so langsam habe ich ja Übung darin. Nicht erst seit Klaudia. Vor einigen Wochen wagte ich mich sogar an ein Experiment mit ihr: sie klagte über Rückenschmerzen. Ich bot ihr an, sie ihr wegzumassieren. Was ich dann auch tat. Über eine Stunde lang. Funktionierte sogar. Ich hatte kein besonders aufgeregtes oder übles Gefühl dabei. Wollte „nur“ wissen, ob ich ihr auch auf diese Weise nah sein kann, ohne dass es zu Komplikationen kommt. Und war auch mächtig stolz darauf, dass sie es überhaupt zugelassen hatte. Hätte ich nicht gedacht, daß sie mir ihren nackten Rücken zeigt, mich ihn massieren lässt, und das länger als eine ganze Stunde lang. Mit dem, was nun mit mir los ist, hat diese Episode auch eigentlich nichts zu tun. Ich hatte es – ganz im Gegenteil – in der Tat schon wieder vergessen. Es war nicht der Auslöser. Erst letzte Nacht, als ich mal wieder nicht schlafen konnte und mir Gedanken darüber machte, wie es nun weitergehen soll, fiel es mir wieder ein. Ach, ich wollte, es ginge schnell vorbei, diese blöden, unnützen, kraftzehrenden, freundschaftenzerstörenden Verirrungen des Herzens! Könnte man dem Herz nur befehlen…geht aber nicht…

Klaudia hat mich nicht nur immer wieder darauf hingewiesen, wie sie sich unsere Freundschaft wünscht. Sondern mir auch immer wieder gesagt, was passiert, wenn ich in ähnliche Richtungen abdriften täte wie damals vor zwei Jahren. Sie würde dann nämlich den Kontakt zu mir sofort und unwiederbringlich einstellen. Was ich angesichts meines Verhaltens, was ich ab Februar 2005 ihr gegenüber an den Tag legte, durchaus verstehen kann. Auch darüber schrieb ich bereits vor ein paar Wochen. Sie hat halt immernoch große Angst davor, ich könne mich wieder als so niederträchtig wie damals erweisen. Ich glaube, ich würde an ihrer Stelle genau so denken. Daß sie so denkt, weiß ich schon seit Juni, also schon kurz nachdem ich zum ersten Mal wieder von ihr hörte.

Seit etwa zwei Monaten also verkompliziert sich alles, ich kann meine wahren Gefühle für sie nicht länger ignorieren, obgleich ich es versucht hatte. Und es wird mit jedem Tag schlimmer. Und vielleicht wäre es sogar gelungen, wenn, ja, wenn nicht vor zwei Wochen etwas ziemlich unerwartetes geschehen wäre.

Sie war bei mir, wir kochten zusammen. War wirklich nett! Im Laufe des Abends kamen wir auch auf das Thema Liebe zu sprechen. Ich erzählte ihr von jenem Brief von Steffi (die einmalige Liebe usw.), weil mich das halt so beeindruckt hatte. Dann fragte ich sie, ob sie glaubt, diese Liebe mit ihrem Mann erlebt zu haben, oder…eben nicht. Nun ja, meint sie, natürlich hatte sie ihren Mann mal geliebt, sonst hätte sie ihn auch nicht geheiratet. Aber diese Einzig Wahre Liebe…nein, das war es nicht. Das hat er in ihr gründlich zerstört.

Das klang nüchtern und traurig zugleich. Ich sah mich genötigt, etwas Aufmunterndes erwidern zu müssen und sagte, daß ich fest davon überzeugt sei, daß sie sich irgendwann wieder verlieben wird und dass das ja dann die Große Liebe sein könnte. Was man dann halt so sagt, wenn man auf keinen Fall sagen darf: ey, Mädel, ICH würde Dich auf Händen tragen, würde Dir so viele Kometen fallen lassen wie du willst…und noch zig weitere Liedtexte von Grönemeyer mehr…

Tja, da druckste sie zunächst rum – und gestand mir dann, daß es möglicherweise schon soweit sei. Sie erzählte, daß sie seit kurzer Zeit frisch verliebt sei, er auch in sie, und dass sie dieses Glück gar nicht fassen könne, weil es so neu, so schön und so unerwartet sei.

Ei gudd, in dem Moment blieb mir das Herz stehen und ich glaube nicht, dass es seitdem wieder zu schlagen begonnen hat.

Natürlich gönne ich ihr das neue Glück von Herzen. Sie hat es, nach sechs Jahren Eiseskälte in der Ehe und derben Nackenschlägen durch ihren Noch-Ehemann wirklich, wirklich verdient. Natürlich habe und hatte ich nichts zu erwarten, außer Freundschaft. Weiß ich alles.

Als sie mir also dies offenbarte, versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen. Mich, im Gegenteil, wirklich für sie zu freuen. Ich glaube, ich mag sie so sehr, daß ich das sogar kann. Ich leistete ihr mit diesem Mann sogar sowas wie eine zweite Starthilfe: sie hatte nämlich den (in ihren Augen) richtigen Moment verpasst, ihm zu sagen, daß sie zwar alleine lebt, aber noch verheiratet sei. Und hatte nun panische Angst davor, wie er reagieren könnte, wenn er es jetzt (oder noch später) erfährt. Ich redete fast eine ganze Stunde lang auf sie ein, daß sie sich deswegen völlig unnütz Gedanken macht. Er wird´s verstehen, er wird sich freuen, daß er´s weiß…Was man halt so sagt, wenn man glaubt, ein Mann könne ihr alles nachsehen oder verstehen, der ihr in ähnlicher Zuneigung zugetan ist wie ich selbst. Ich schaffte es, ihr Mut zu machen. Sie versprach, ihm es in nicht allzu ferner Zeit zu sagen, meinte aber, und wenn er mich deswegen nicht mehr sehen will, werde ich dir die Ohren vollheulen!

Als ich sie kurze Zeit später zur Tür brachte, war ich leer, wie tot und ausgebrannt. Es ging mir schrecklich. Und schlafe seitdem wirklich nicht mehr gut.

Bereits am nächsten Tag rief sie mich an und mir blieb fast der Atem weg! Denn ich hatte plötzlich die Befürchtung, sie könnte es ihm gesagt haben und er sie wirklich nicht mehr sehen wollen! Was für ein Alptraum – und ich wäre daran schuld?! Aber sie meinte, ja, sie habe es ihm gesagt – und er fand es gar nicht so dramatisch. Im Gegenteil, ich hatte in allem Recht, was ich ihr darüber prophezeit hatte. Ich war so erleichtert und freute mich so sehr für sie – und war gleichzeitig so dermaßen am Boden zerstört, daß ich fast zu Heulen begann und mich dann in eine Art hysterisches Lachen rettete. Sie nahm es mir ab, daß ich mich uneingeschränkt für sie freue…

Vorgestern lernte ich ihn kennen. Klaudia bat mich um einen Gefallen und als Folge dessen verbrachte ich anderthalb Stunden damit zu, die beiden Turteltauben Hand in Hand und Küsse austauschend sehen zu müssen. Das ging weit (sehr weit) über meine ansonsten ziemlich große Leidensfähigkeit hinaus. Es gibt also eigentlich nur einen Weg: ich muss ihr möglichst schnell reinen Wein einzuschenken. Wahrscheinlich wird sie dann wirklich den Kontakt zu mir einstellen, und das ist für mich vermutlich das Beste. Auch wenn sie natürlich nichts, aber auch rein gar nichts von mir zu befürchten hat. Nicht so wie damals, vor anderthalb Jahren. Ich bin weit von dem Wahnsinn entfernt, der mich damals befiel – und werde auch nie wieder, weder bei Klaudia noch bei sonst irgendeinem Menschen dahin zurückkommen. Ich habe einmal den schalen Geschmack der Rache im Mund gehabt und wäre fast daran erstickt.

Der Idealfall wäre vermutlich, daß mir Klaudia glauben könnte, daß sie keine Angst vor mir haben muß, „nur“ weil ich mich wieder in sie verliebt habe. Dann würde man sich vielleicht ein paar Monate nicht sehen, ich wäre dann hoffentlich drüber weg (wie z. B. bei Tanja, Conny, Vivi) und man könne danach wirklich einfach nur gut befreundet sein. Denn unabhängig von dem, was ich für sie empfinde, ist Klaudia stets eine wirklich wertvolle Bereicherung meines Lebens gewesen. Jetzt, im zweiten Teil unserer Begegnung, noch viel mehr als damals vor zwei Jahren. Es wäre schön, wenn das nicht verloren gehen würde. Aber das ist vermutlich ebenso illusorisch wie alles andere.

Vielleicht fragt sich der geneigte Leser, warum ich noch zögere. Also, ich würde mich das an dieser Stelle fragen. Die Antwort: weil ich es hasse, wertvolle Menschen zu verlieren. Weil es davon nicht mehr so viele gibt in der näheren Umgebung. Weil ich nicht loslassen kann. Weil ich immernoch Hoffnung habe, daß es nur ein Strohfeuer ist und sich irgendwann von alleine erledigt. Weil ich an ihr hänge. Weil – ich nicht die Kraft dazu habe.

Das sei alles unwichtig? Nur mein Wohlbefinden zähle? Du lieber Himmel – wo das in diesem Jahr geblieben ist, weiß ich nicht, also ficht mich dieser Einspruch nicht an.

Themawechsel.

Vor drei Wochen fragt mich Bego, was ich zu Sylvester plane. Ich muß dazu erwähnen, daß mir in meiner derzeitigen Verfassung nicht vorstellen kann, zum Beispiel eine Party zu besuchen, mich unters Volk zu mischen, nur um mich an Mitternacht krampfhaft an meinem Sektglas festzuhalten, während alle Anderen ihre/n Liebste/n küssen und so weiter. Am liebsten wäre es mir deswegen gewesen, wenn ich abends ins Bett gehe, von der ganzen Hysterie nichts mitbekomme und am nächsten Morgen ist einfach – Neujahr. Einen geheimen Wunsch hatte ich aber doch: mit Bego ans Meer fahren, sich mit ner Pulle Schampus in der Nacht auf den Deich setzen und irgendwo ein Feuerwerk von weitem beobachten. Ganz ruhig, ganz besinnlich.

Als mich Bego nun fragte, antwortete ich mit einer Gegenfrage: warum will sie das wissen? Weil sie eine Anregung bräuchte für eigene Pläne? Oder will sie mit mir Sylvester verbringen? Sorry – aber ich bin im Laufe diesen Jahres halt leider etwas paranoid geworden. Mit meinem Vertrauen in die Bereitschaft anderer, auf mich zuzugehen, ist es nicht mehr weit her.

Sie meinte empört, natürlich weil sie mit mir Sylvester verbringen wolle! IDIOT!

Und als könnte ich es nicht selbst besser formulieren, beschrieb sie mir…wir fahren nach Holland oder Belgien…erst fein essen…dann nachts zum Strand…gucken Feuerwerk…dann saufen wir uns einen an…nur du, ich und die Sterne…

Ich wär fast in Tränen ausgebrochen, wirklich. Keine Übertreibung. Ist das Schicksal? Und nur weil wir im Auto saßen und ich mich auf die Straße konzentrieren musste, konnte ich mich grad noch so zurückhalten. Ich nahm ihre Hand, drückte sie und stammelte nur…Scheiße…ich heul gleich…

Ich machte mich auf die Suche nach geeigneten Hotels, plante, organisierte… Eine Woche später wurde es dann so richtig typisch Bego: die Pläne haben sich geändert. Da sei eine Nadja, eine Freundin von ihr. Schwanger, todunglücklich, weil der (wild fremdgehende) Freund sie zur Abtreibung nötigen will. Sie will das Kind aber behalten…ganz furchtbare Geschichte. Wirklich jetzt. Da kann ich mit meinen Kinkerlitzchen von wegen Klaudia und so weiter echt einpacken. Ist mein Ernst! DAS sind Probleme!

Bego versprach nun also dieser Nadja, daß sie sie an Sylvester, dieser symbolträchtigen Nacht, nicht alleine lassen wird. Erzählt im gleichen Atemzug von ihren und meinen Plänen. Nadja ist begeistert! Da kommt sie doch gerne mit! Nur lieber nach Paris. Sie will nach Paris.

Äääh, okeeee!?

Ich ließ mir das ein paar Tage durch den Kopf gehen, horchte tief in mich, was ich wohl von solcherlei Dingen halte. Im allgemeinen und besonderen.

Dann…nö: keine Lust dazu! Ich kenne diese Nadja nicht und sehe eigentlich keinen Grund, mir von jemand Fremdem vorschreiben zu lassen, wo und wie ich Sylvester zu verbringen habe. Paris? Am 31.12.? Da kann ich ja gleich ans Brandenburger Tor oder in die Kölner Altstadt! Hauptsache Menschenmassen!? Neee! Nicht mit mir. Soll Bego mit Nadja alleine fahren, von mir aus auf den Time Square oder wohin auch immer. Ich kenne diese Nadja zwar nicht, aber wenn sie „in Ruhe“ auf den Putz hauen will – bitte.

Bego wiegelte ab: ich hätte das alles etwas falsch verstanden, Nadja hatte doch nur einen Vorschlag gemacht, wo man in Ruhe feiern könne und es trotzdem kulturell usw. reizvoll sei. Sie sei ja generell überhaupt keine Partymaus, sei sowieso in der gleichen leicht melancholischen Stimmung wie Bego selbst und ich…

Ich musste schlucken. Und aufpassen, daß ich vor soviel Naivität Ruhe bewahre, ehe ich erkläre: Paris – und in Ruhe und stilvollem Ambiente Sylvester verbringen? Hab ich nen Dukatenesel zuhause?! Es wird ü-ber-all nur so von Parties wimmeln. Alle Restaurants, Hotels etc. werden nur Menue, Buffet zusammen mit Party anbieten. Live-Musik, Tanz, Halligalli. Für nen Haufen Asche. Da wird überall der Bär steppen! Menschenmassen! Und alle, alle haben sie ihr Häschen und ihren Stecher dabei! Es sei denn, man kann sich Ruhe und Ambiente mit noch viel mehr Geld erkaufen. Nee – das funktioniert nicht. Nicht in Paris, nicht in Amsterdam oder gar Wien. Das waren weitere Schnapsideen von dieser Leuchte namens Nadja. Das geht nur, wo auch in der restlichen Zeit des Winters der Hund begraben liegt. Zum Beispiel Brügge, Gent, Zantvoort, Neuharlingersiel etc.

Wir einigten uns dann tatsächlich auf Gent. Eine wunderschöne nicht zu große und nicht zu kleine Stadt, bezahlbare Hotels, nur 300 km von hier weg, von dort nur noch knapp 40km bis Oostende, also zum Meer. Ideal. Einfach ideal.

Ich schickte Bego die Links dazu, sie soll ihr okay geben, dann würden wir uns mit Nadja treffen (kann ja nichts schaden, wenn ich sie vorher wenigstens einmal sehe und sie kennenlerne, oder?), um dann Nägel mit Köpfen zu machen.

Wieder ein paar Tage später die nächste Planänderung, aber dafür kann glaub ich nun wirklich niemand etwas: Bego kommt mit ihrem neuen Typen zusammen und ist nun interessanterweise gar nicht mehr in der Stimmung, um mit zwei tieftraurigen Menschen Sylvester mitten im Nichts zu verbringen. Hey – tät ich auch nicht wollen! Also meinte ich, sie soll sich da keine Gedanken machen, und mit ihrem Freund feiern. Richtig geil abfeiern. Bleib ich halt daheim, leg mich ins Bett – und gut. Ich würde mit ihr gar nicht die Sylvesternacht auf diese Weise verbringen wollen, da ich wüsste, sie wäre tausendmal lieber ganz woanders, nämlich bei ihrem Freund auf ner geilen Party. Sie kontert mit dem Spruch des Tages: dann fahr doch alleine mit Nadja…

Ich lass das jetzt mal so im Raum stehen, denn ich glaube nicht, daß es irgendeines Kommentars dazu benötigt. Außer: yes, that´s Bego. Live.

Man muss sie lieben. Und das tue ich. Wirklich. Ich bin froh, daß sie wieder in mein Leben getreten ist. Sie hat mir unglaublich gefehlt, diese dickköpfige spanische Biest. Echt.

Eigentlich war es ein todlangweiliges Jahr. Es ist im Grunde nichts passiert. Nichts, was mich irgendwie weiter gebracht hätte. Ganz im Gegenteil. Ich verlor Astrid - und trotz der Dinge, die ich durch Bego über sie erfuhr, fehlt sie mir immer noch sehr. Auch mit Bego selbst ist bei weitem nicht wieder alles so wie früher. Ich habe nicht mehr so sehr den Drang, mein Leben und vor allem mein Innenleben ungefiltert mit ihr zu teilen. Ich glaube, die beste Zeit mit ihr ist bereits Vergangenheit. Allein schon, weil es ihr neuer Freund vermutlich etwas merkwürdig finden täte, wenn ich ihr allzu nah treten würde und umgekehrt hat sie jetzt wohl kaum noch das Bedürfnis, sich noch groß bei mir zu engagieren. Die neue Liebe geht vor. Ganz klar. Das wäre bei mir vermutlich nicht anders. Kann mich daran aber leider nicht mehr so genau erinnern. Da hatten wir noch die D-Mark.

Klaudia ist auch so gut wie Vergangenheit, denn ich kann nicht mehr lange so weitermachen wie bisher. Vor ner Stunde erst rief sie mich an (wegen irgend ner Kleinigkeit) und fragte mich so nebenbei, warum ich am Samstag (als ich sie und ihren Freund anderthalb Stunden lang turtelnd ertragen musste) so komisch drauf gewesen wäre. Oh Blindheit, Dein Name ist Klaudia…Man muß sie einfach lieben…

Seit ich ins Rheinland zog, krochen mir einige Läuse über die Leber. Oft empfand ich mehr als nur Freundschaft für diverse Damen, die in mein Leben traten. So manches Mal zweifle ich seitdem, wie viel davon ich eigentlich ernst nehmen darf. Auch jetzt sind diese Zweifel mächtig präsent. Auch wenn Klaudia wirklich eine ganz eigene Kategorie innehat in mir.

Ganz klar – ich sehne mich nach Liebe, nach Zweisamkeit und all den anderen schönen Dingen, die damit einhergehen. Ein paar Male gab es die eine oder andere Katastrophe, ich fühlte mich durch die Abfuhren nicht eben vollwertiger oder gar mutiger. Und jedes Mal, wenn ich einen Korb bekam und unter ganzer Aufbietung meiner Kraft all die Zuneigung in ungefährlichere Bahnen lenken musste, wuchsen meine Zweifel an mir. An meinen Gefühlen, an deren Wahrhaftigkeit und, damit logisch einhergehend, auch an mir selbst. Vor etwa einem Jahr war´s ganz arg gewesen. Gleich drei Frauen schwirrten mir durch Herz und Bauch: Astrid, Melanie und nicht zuletzt Klaudia, die ich nie wirklich vergessen konnte. Ich war völlig verwirrt und litt stark unter dieser Gemmelage an ähnlichen Empfindungen für unterschiedliche Damen.

Kann sein, daß sich Melanie wirklich stärker für mich interessiert hatte in jener Zeit, aber ich hab´s vermutlich versemmelt. Werde es wohl nie herausfinden. Dabei hab ich ihr nie was Böses getan oder gewollt. Im Gegenteil. Ich wollte bei ihr alles ganz anders anstellen wie zuvor bei Klaudia: nichts überstürzen, erst mal abwarten, Zeichen deuten, mich auch ein wenig unentbehrlich machen, Begehrlichkeiten wecken, wenn man das so sagen will. Naja, jede Frau ist anders und das Potential, IMMER ALLES falsch zu machen, ist vermutlich gleich groß, egal, ob ich mich jedesmal gleich oder immer anders verhalte. Im September schickte ich Melanie sogar nochmal eine Nachricht, aber sie blieb – man ahnt es – unbeantwortet. So. Und weil aller unsinnigen Dinge DREI sind, hab ich ihr jetzt, in diesem Moment, nochmal ne SMS geschickt und gefragt, wie´s ihr geht. Bin gespannt.

Was für ein Jahr. Nichts ist passiert, außer in den Köpfen und Herzen der Menschen, die mir nahe stehen oder standen. Und natürlich in mir selbst. Aber im Grunde war es wirklich eher ereignislos. Deswegen waren meine Blogeinträge auch immer so klein und unscheinbar.

Lebe Dein Leben, lustvoll und kühn. – es ist schneller wieder Winter, als man glaubt

27.11.06 23:02


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