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Definitionen

Vor ein paar Tagen hat sich eine Freundin aus Kindergartenzeiten die Mühe gemacht, eine wirklich unglaublich schöne Definition der Liebe zu Papier zu bringen. Hier ist sie…

In dem Status: „Liebe“, denkst du nicht mehr, du kombinierst auch nicht mehr geschweige denn analysierst und planst auch nicht. Das passiert einfach. Einfach so. Bei diesem Zustand “Liebe“ gibt es keine Wenn und Aber, kein soll ich oder soll ich nicht. Liebe entsteht nicht, sie IST. Es ist ein in der Männerwelt ziemlich weit verbreitetes Märchen, dass man sich nur lange genug kennen muss, bis irgendwas entstehen kann, oder könnte, oder sollte. Da draußen gibt es hunderttausende Leute, die 1970 oder so geheiratet haben, weil man das eben so machte, oder weil ein Kind unterwegs war. Diese Leute „lieben“ sich heute im Jahre 2006 genauso viel bzw. so wenig wie damals. Das ist so. Völlig klar. Liebe entsteht nicht aus einer langen Gewohnheit heraus. Sie ist entweder da oder nicht. Und alles dazwischen ist Mögen, Freundschaft... eben alle Arten von Emotionen, die es sonst noch so gibt. Ebenso gibt es das Ammenmärchen von dem Leugnen der Liebe, sprich, wenn man dieses Gefühl für jemanden jemals aufgebracht hatte, dieses unterdrücken zu wollen, zu negieren, zunichte machen zu wollen. Dies funktioniert eben so wenig. Denn sie bleibt. Für alle Zeiten.

Ich weiß dass du dies belächelst...als romantischen Schwachsinn abtust und denkst, solche Geschichten gehören ins Kino, oder bestenfalls in die Kindheit, aber doch nicht in die Realität. Aber das ist nicht wahr. Du kannst das alles nicht wissen, denn du hast es nie erlebt. Man kann es nicht erklären. Schlecht erklären. Ich will es an meinem Leben verdeutlichen.

Ich habe J. geliebt! So. Und ich liebe ihn heute immer noch. Und ich werde ihn immer lieben. Fakt. Wie zur Hölle ich das weiß, wissen kann? Nun. Ich gehöre zu ihm. Ich gehöre zu diesem Mensch. Das ist das erste Gefühl gewesen, so was wie... zuhause sein. Angekommen sein, wenn ich mit ihm, bei ihm bin. Ich hätte mich für ihn vierteilen lassen, foltern, egal was, wir konnten uns gänzlich ohne Worte verständigen, jeder wusste vom anderen, was er gerade dachte. Die Zeit blieb stehen, wenn wir zusammen waren. Sie blieb einfach stehen, nichts anderes war mehr wichtig. Es gab eine Menge Dinge an ihm, die ich eigentlich überhaupt nicht mochte, aber genau diese Dinge machten ihn letztendlich so einzigartig und auf seine Weise liebenswert. Der Punkt aber ist, dass ich alles das von Anfang an wusste, liebte, von Anfang an ohne wenn und aber einfach liebte. Interessanterweise erfährt man alles das immer erst zu spät. Ich hätte nie gedacht, dass ich alles das – auch das nervige – mal vermissen würde. Ich habe sehr gelitten unter seinem Verlust. Und streng genommen leide ich bis heute darunter. Das ist jetzt so lange her, aber mir fallen immer noch 100 Millionen Dinge ein, die ich dir über ihn erzählen könnte.

Und ich weiß, dass er da wäre, wenn ich nachts um vier irgendwo stehen würde. Er wäre da. Und genauso wäre ich da. Ich würde mich im Pyjama ins Auto setzen, vorher dem Typ im Bett neben mir sagen, dass ich los muss, und würde losfahren. Egal wo er wäre, ich würde ihn finden. Ich habe ihm dieses Jahr frontal gegenüber gesessen, das weißt du. Ich habe ihm direkt in die Augen geschaut. Auch um herauszufinden, was da noch ist in mir. Und was meinst du ist passiert? Zack. Sofort wieder da. Alle Gefühle, alles. Ich sah zudem direkt in seine Seele, so wie immer, wenn ich ihn sehe. Und was ging in mir vor?! Ich empfand tatsächlich dabei fast körperliche Schmerzen. Irgendetwas schrie innerlich in mir auf und der ganze Schmerz über diese gescheiterte Verbindung kam hoch und raubte mir förmlich die Luft zum Atmen. Für einen Bruchteil von Sekunden blieb kurz die Welt stehen, verschwand unser gesamtes Umfeld und es gab nur noch mich und ihn...und das UNS, das es mal gab.

Das wird nie wieder anders. Ich werde für ihn immer das gleiche empfinden, fürchte ich. Und das, mein Bester, das war Liebe. Herrgottnochnmal. Ich bin heute so froh darüber, dass ich es erleben durfte, dass ich in der Lage war, jemanden so unendlich zu lieben, mehr als mich selbst, mehr als alles andere auf dieser Welt.

Ich weiß bis heute nicht, ob ich ihm ebenso wichtig war. Ich habe Beweise dafür, dass er ebenso die Welt aus den Angeln hob für mich wie ich für ihn. Er hat unglaubliche Situationen gemeistert, mit mir, für mich. Er tat es ohne auch nur im Entferntesten abzuwägen, ob das jetzt vernünftig war, klug war. Es war in diesem Moment richtig, nur das zählte. Es ist eine unglaubliche Story, mit der wir vermutlich ganz große Filmgeschichte schreiben könnten. Aber wie auch immer. Es ist vorbei. Vorbei.

Irgendwann ein paar Monate nach dem Ende saß ich im Auto und hörte ein neues Lied von NENA. Es hieß „Liebe ist“...und dieses Lied hat sie nur für mich und J. geschrieben. Ich erinnere mich, dass ich anhalten musste, weil ich nichts mehr sehen konnte. So stand ich also dann mitten auf einer verlassenen Landstrasse, hörte dieses Lied, wischte mir die Wimperntusche aus dem Gesicht und dachte mir, dass es eben in den seltensten Fällen im Leben so läuft, wie es laufen sollte. Noch ein paar Monate später schrieb ich ihm eine Mail, worin ich mich entschuldigte für all diese Scheußlichkeiten, die ich ihm in meinem Abschiedsbrief an den Kopf gehauen hatte. Er schrieb sofort zurück, dass ich mir keine Vorwürfe machen soll, ich hätte nur getan, was ich damals für richtig hielt...

Das war das Ende, trotzdem sitzen wir am Tisch und können beide bis heute nicht damit umgehen. Aber was nützt es, das festzustellen…

Ich für meinen Teil trage ihn weiterhin in meinem Herzen, immer wieder höre ich was über ihn von Nachbarn und Freundinnen, es geht ihm offensichtlich richtig gut. Und ich bin so froh darüber. Ich nehme das wirklich lächelnd zur Kenntnis. Und freue mich darüber, dass es ihm gut geht. Nur, eine neue Beziehung anfangen... das könnte ich wohl nie wieder. Ich meine eine richtige Beziehung, also nicht diverse Abenteuer mit Worcaholics, Ärzten, Anwälten, etc. Nein, ich denke, eine richtige Beziehung könnte ich nicht mehr haben. Denn das mit ihm ging entschieden zu tief. Bei mir zumindest. Ich meine, mag ja sein, dass er nach unserem Schlusspunkt einfach zur Tagesordnung übergegangen ist. Daß er dachte, ok, die nächste bitte. Daß ich ihm nicht das Geringste bedeutet haben könnte. Trotzdem war er für mich eben perfekt. Der perfekte Typ zur zugegebenermaßen nicht perfekten Zeit an nicht perfekten Orten. Aber er war der perfekte Mann.

So. Und sollte die Tante da, mit der er jetzt liiert ist, ihm jemals wehtun, haue ich ihr vermutlich höchstpersönlich dafür eine runter. Ich meine, wenn sie schon denkt sie sei es wert mich zu ersetzen, dann sollte sie ihren Job wenigstens ordentlich machen, nicht wahr? J

Ich habe jetzt versucht dies zu schreiben ohne dass es kindisch klingt. Das sollte jetzt weder albern klingen noch naiv. Ich wollte dir nur einen groben Einblick verschaffen wie es ist, wenn man liebt. Wenn man mit der Liebe kollidiert. Ich weiß bis heute nicht, wie man es rational erklären könnte. Geht nicht. Das ist einfach da, ist so und lässt sich nicht ändern. Es wird weder schwächer noch anders...auch nicht über lange Zeit. J. wird für mich immer diesen Status behalten und ich werde ihn immer lieben. Auch wenn ich in dreißig Jahren darüber nachdenken werde, werde ich feststellen, dass sich rein nichts geändert haben wird daran. Und du, mein Lieber, wirst irgendwann eben auch diese eine Frau treffen, die du lieben wirst. Und ich bete zu Gott, dass ihr es hinbekommt. Also glücklich werden dürft.

Du solltest dich also gedulden. Sie wird kommen und du wirst sie sofort erkennen. Gleich beim ersten Treffen. Dieses Gefühl wird da sein bei dir, schon in der ersten Viertelminute eures Zusammentreffens. Rumms. Ende der Diskussionen. So läuft das nämlich. Du siehst sie und das war’s. Und dir wird der Atem stocken und du wirst unfähig sein auch nur einen einzigen Gedanken zu fassen. Alles um euch rum wird verschwinden, unwichtig, zeitlos. Und wenn ihr gerade mal nicht im selben Raum seid, wirst du das Gefühl haben jemand habe deinen Körper zerteilt und zwingend zu ihr musst – um komplett zu sein. Wie bei einem Magnet wirst du ständig damit beschäftigt sein, sie zu finden, um mit ihr zu sein. Und wenn sie für eine Woche auf Geschäftsreise ist, liegst du da und hast Bauchweh... Durchfall... bist regelrecht krank, weil sie nicht da ist. Schläfst, wenn überhaupt, mit dem Handy in der Hand ein und robbst dann die ganze Nacht in eurem Bett herum auf der Suche nach ihr. Und wenn sie zurück ist, stehst du in der Tür, hast 6 harte, durchgekämpfte Nächte hinter dir und ein innerer Frieden überkommt dich, weil sie endlich wieder da ist.

Das ist ja völlig verrückt, sagst du? Hört sich irgendwie so an, als sollte man die Finger davon lassen... Genau. So ist es. Du bist, wenn sie wieder weg ist, alleine ohne sie überhaupt nicht mehr lebensfähig. Ich für meinen Teil bin heute emotional und körperlich eiskalt geworden. Ich robbe immer noch nachts durch die Gegend. Manchmal träume ich von J. und rede mit ihm. Ich träume, er spricht mit mir und ich erzähle ihm von mir und den Kindern. Ich hör dann seine Stimme und sein Lachen. Morgens dann werde ich wach und habe wunderbar geschlafen, laufe dann den ganzen Tag von innen lächelnd durch die Gegend und bin ein klein wenig glücklich. Das ist alles was mir bleibt. Was bleiben wird auf ewig. Deswegen bin ich auch so entspannt, was die neuerliche Partnersuche angeht. Ich suche nicht und finde auch nicht. Und das ist gut so. Denn ich weiß...ich habe mein Herz nicht mehr zu verschenken. Ich bin belegt. Also mein Herz. Kein Mann dieser Welt wird daran was ändern können. Absolut niemand. Also lebe ich alle meine restlichen Tage in diesem Bewusstsein. Und erwarte auch nichts mehr. Weil eine Steigerung zu diesem einen Mann, den ich mal getroffen hatte, schlichtweg unmöglich ist. Also lehne ich mich entspannt zurück und werde weiterleben. So gut es geht. Eben wie es geht.

Im Übrigen haben so ziemlich alle meine Freundinnen genau dieses auch erlebt und genau so ist das bei Ihnen auch gelaufen. Manche von Ihnen sind sogar mit dem jeweiligen Herrn glücklich verheiratet. Das gibt es auch. Bei einigen ist es allerdings ebenso abgelaufen wie bei mir mit dem Ergebnis, dass sie sich heute ab und an mit irgendwelchen Alternativen und Kompromissen vergnügen...aber zu dem sie noch nie gesagt haben, dass sie ihn lieben. Vereinzelt habe ich auch Freundinnen – also zwei – die noch nie auf diese Art von Mann, also die große Liebe, getroffen sind. Sie suchen beharrlich und arbeiten sich wacker durch alle erdenklichen Single-Events. Bislang ohne Ergebnis. Alle zusammen treffen wir uns so ungefähr einmal im Monat auch mal abends und gehen aus. Also alle, die ihr Herzblatt gefunden hatten und es auch kurzzeitig besaßen, und die beiden Damen, die noch suchen. Und eines kann ich dir sagen. Die beiden sind von Grund auf unzufrieden. Frustriert. Jedes mal schleppen sie an diesen Abenden irgendwen ab...in der Hoffnung, dass es DER jetzt sein könnte. Nicht so die Wissenden. Sie schleppen auch ab aber mit dem Unterschied, dass sie sich davon nichts, aber rein gar nichts versprechen außer vielleicht etwas Sport. Morgens gehen sie irgendwo in der Stadt aus irgendeiner fremden Haustür, rauchen eine Zigarette und schreiben den Typen gleich ab. Danach werden natürlich alle amüsanten Details in der Frauengruppe besprochen... und sie sind ausgeglichen und ruhig, zufrieden und glücklich. Die anderen beiden werden mit jedem Mal noch unglücklicher. Sie berichten verhärmt, dass es der vom letzten Samstag leider auch nicht war und fangen dabei fast an zu heulen.

Hhmmm. Großes Problem. Ich wünsche den beiden Damen, so wie auch dir, dass der/die Richtige irgendwann kommt. Natürlich. Von Herzen. Einerseits bedauere ich euch. Andererseits hättet ihr noch die Chance, dass ihr – anders als ich – vielleicht sogar diesen Menschen behalten könntet. Verlockende Chance.

Zusammenfassend kann man es so beschreiben: es gibt unendlich viele verschiedene Achterbahnen auf dieser Welt. Viele hast du kennengelernt und ausprobiert. Bei allen war Fun, Nervenkitzel, Höhen und Tiefen. Eigentlich immer so ziemlich derselbe Ablauf. Du weißt genau wie es losgeht... bei der einen vielleicht eine Kurve mehr, dort eine weniger. Aber im Großen und Ganzen immer dasselbe. Aber dann warst du auf dieser einen bestimmten Achterbahn. Diese Fahrt auf dieser Achterbahn raubte dir schlicht den Verstand. Diese Fahrt war der absolute Wahnsinn. Und du bist völlig fasziniert von dem Ding, willst immer wieder fahren auf der. Die Höhen sind höher und die Tiefen tiefer als bei allen anderen. Und auch nach der 100.000sten Fahrt kennst du noch lang nicht alle Kurven. Entdeckst immer wieder neue Seiten. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen kannst du dann plötzlich nicht mehr fahren... weil... keine Ahnung... sie abgerissen wurde. Ab dann wird diese Achterbahn auch als Vergangenheit immer ein Teil von dir sein. Du erinnerst dich von da an schmerzlich an all die tollen Fahrten und bist zuerst traurig... aber dann irgendwann erzählst du deinen Freunden, was du da mal erleben durftest. Mit Stolz und mit Respekt. Die Freunde beneiden dich, oder erzählen von ihren Achterbahnen, die auch abgerissen wurden, oder aber sie sind noch nie auf einer solchen gefahren und müssen kleinlaut zugeben, so einen Nervenkitzel noch nie erlebt zu haben. Jedenfalls ist eines klar. In der Folge fährst du natürlich immer noch Achterbahn... aber keine reicht an diese eine Abgerissene ran. Du fährst trotzdem mit... eher aus Langeweile und weil es sich so ergibt, oder weil du eben gerne fährst. Diese Bahnen und Fahrten aber bewegen dich dann höchstens nur noch zu einem milden Lächeln, was das ganze noch schwieriger macht: Du kuckst sie dir vorher an, zählst die Kurven... und die meisten reizen dich schon mal gar nicht mehr. Manchmal begegnest du einer mit mehreren Highlights... und probierst sie aus, kehrst am nächsten Morgen eher gelangweilt zurück und ärgerst dich über die Babysitterrechnung. Und jetzt kommt das DILEMMA. Klar kannst du auf diese Achterbahn nie wieder einsteigen... diese einzigartige und tollste aller tollen, denn es gibt sie ja nur genau einmal auf der Welt. Das ist dir dann auch völlig klar. Aber du kannst dich auch irgendwie nicht mit den Fakes zufrieden geben und erst Recht nicht mit denen, die sowieso völlig indiskutabel sind. Und wenn, dann nicht auf Dauer.

Ich habe jedenfalls für mich beschlossen: Ich habe meine Achterbahn gefunden. Leider ist sie weg. Und alles andere reizt mich nicht mehr. Jedenfalls bringen mich keine 10 Pferde dazu, mich auf irgendeinen faulen Kompromiss einzulassen. Es bringt gar nichts. NICHTS. Ich sage bei allen liebend gerne „nein danke“. Und mit denen, die sagen wir mal, wie Hugh Grant sind und aussehen, gehe ich vielleicht mal noch in die Kiste... aber mehr ist nicht drin. Ich will keinem Mann dieser Welt zumuten, ewig gemessen werden zu müssen und doch nicht ranzureichen. Es wird mich kein Mann auf dieser großen, weiten Welt jemals wieder glücklich werden lassen. Niemand.


Ich hatte einen dicken, dicken Kloß im Hals, als ich diesen Brief las…

Gute Nacht, da draußen

6.11.06 23:58


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