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10. Oktober 2006

Nun gehöre also auch ich zu den Bloggern und versuche mich von der Masse derjenigen Menschen abzugrenzen, die täglich neu ihre langweiligen Ergüsse ins Netz stellen in der Hoffung, es würde irgendeine Socke interessieren. Nun - wir werden sehen.

10. Oktober 2006

Zweiter Urlaubstag. Leute, es gibt sie noch, die Arbeitsstellen, wo man fast mehr Urlaubs- als Arbeitstage hat. Und so geht´s: erstens, man ziehe ins Rheinland. Dort wird traditionell weniger gearbeitet als in anderen Gegenden unseres schönen Landes. Das weiß ich genau, denn ich lebte und arbeitete schon im Saarland, in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Außerdem in Österreich, aber einen schwarzen Punkt im Lebenslauf hat ja wohl jeder. Das besondere im Rheinland ist die „Fünfte Jahreszeit“, was ich hoffentlich niemandem erklären muß. Erwähnenswert ist allerdings, daß in der „Hoch-Zeit“ des Rheinischen Karnevals das so genannte öffentliche Leben quasi stillsteht. Nichts geht mehr. Bis auf die armen Säcke, die eh immer arbeiten müssen, verlustiert sich das Gemeine Volk auf den Straßen und in den Kulturellen Mehrzwecksveranstaltungshallen. Ob man das nun gutheißen mag oder nicht – es wird in diesen Tagen nicht gearbeitet, und zwar hochoffiziell und ohne einen Tag Urlaub oder ähnliches beantragen zu müssen. Das ist die Hauptsache. Sympathisches, aber sehr merkwürdiges Völkchen, diese Rheinländer. Auch wenn sie ansonsten schwer eine an der Klatsche haben. Ich als „Zugereister“ kann das beurteilen. Oh – übrigens lebe ich recht gerne hier. Vermutlich habe ich also ebenfalls eine an der Klatsche. Nur – anders eben. Mit Karneval zum Beispiel kann ich überhaupt nichts anfangen…

Drittens suche man sich einen Arbeitgeber, wo man quasi zwangsweise mehr frei hat als in anderen Firmen. Ich hab das alles nicht gewusst, als ich in dieser „Firma“ begann, aber man nimmt es gerne mit: 6. Januar ist frei, Rosenmontag ist frei, 24.12., 31.12. sind frei. Einfach so. Ohne Urlaubstage einzureichen oder ähnliche Scherze.

Besonders witzig an der Arbeitszeitenregelung finde ich, daß ich 40 Stunden pro Woche arbeite (so wie alle meine Kollegen), es gilt aber die „tarifliche“ 38 ½ Stundenwoche. Ergeben Summa Summarum 9 zusätzliche freie Tage pro Jahr. 

Meine "Behörde" (abgekürzt ab sofort EBK) ist einer der größten Arbeitgeber der Gegend, wenn nicht der Größte. Innerhalb des bunten und kaum durchschaubaren Sammelsuriums der einzelnen Bereiche gibt es einen (oder sicher auch mehrere – aber die interessieren jetzt nicht), der mit dem eigentlichen Sinn und Zweck kaum noch etwas zu tun hat: wie jede andere „Firma“ auch muß das EBK seine Mitarbeiter schulen und weiterbilden. Dies geschieht größtenteils in den eigenen Tagungsräumen oder eigenen Tagungshäusern. In einem dieser Tagungszentren arbeite ich. Zu diesem Job bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde: ich hab mich beworben…! Leute wie mich, also echte Hotelleute, gibt’s dort nur wenige. Im Service, also was in echten Hotels Restaurant- und Tagungsgeschäft ist, arbeiten hier tatsächlich solche Leute wie Friseure oder andere Ahnungslose. Viele sind schon seit Anno dussemol dabei, einer Zeit also, wo man noch unkündbar war und alle Sonderwünsche der Bittsteller, äh, Gäste, mit einer totalen Arroganz als völlig unmöglich abtat. Seit ein paar Jahren änderte sich die Ausrichtung. Von Oben (von GANZ OBEN!) wurde plötzlich bestimmt, daß auch Gäste plötzlich Menschen sind. Noch wichtiger: zahlende Menschen. Und als solche hätten diese auch einen Anspruch auf entsprechende Leistungen wie Freundlichkeit, Dienstbeflissenheit, Entgegenkommen, und, jawoll, Dienstleistung. Und ab hier kam ich ins Spiel. Ich habe in Häusern wie „Vier Jahreszeiten“, „Queens“, „Lindtner“, „Holiday Inn“ und anderen Kaschemmen gearbeitet. Ich weiß also nicht nur, wie man Dienstleistung buchstabiert!

Mein Weg bis dahin war eher bunt und nicht unbedingt von besonderer Konsequenz geprägt. Als gelernter Bankkaufmann zog es mich relativ zeitig in andere Berufsgefilde: in die Gastronomie und Hotellerie. Dort bin ich geblieben. Arbeite lieber mit Menschen statt mit Bankern zusammen. Und wenn ich das EBK irgendwann abgehakt habe, will ich auch endlich wieder mit Menschen zusammenarbeiten. Man vermisst das auf Dauer...


Heute war nun mein zweiter Urlaubstag. Bereits am frühen Morgen klingelte mich das Telefon vom Frühstück weg: Mein Gott, kaum 13 Uhr, und schon will jemand was von mir?! Es ist Frau P., meine ganz persönliche Hydra. Einen treffenderen Ausdruck finde ich nicht für sie. Außer vielleicht „Die Frau die mir einmal das Herz gebrochen hat und es jederzeit wieder tun könnte“. Nee – Hydra ist wohl…kürzer. Hydras Merkmale: verheiratet, getrennt lebend, frisch aus der ehelichen Wohnung ausgezogen. Lehrerin. Süddeutscher, nicht-bayerischer Dialekt. Gruselig. Ich steh voll auf sie. Ihr isses wurscht, war´s schon immer. Seit drei Jahren kenne ich sie, wovon es fast zwei Jahre überhaupt keinen Kontakt gab. Nachdem ich mir mal einen grandiosen Korb geholt hatte, wollte ich sie nicht mehr sehen. Es darf geraten werden, WER den Kontakt vor einem halben Jahr wieder aufleben ließ. Ich war es jedenfalls NICHT.

Was will Hydra? Mit mir Shoppen gehen! Mit MIR! Einem MANN! SHOPPEN!

Möbel für ihre neue Wohnung braucht sie. Und mich als Berater. Also tigern wir durch einige rheinische Möbelcenter. Es ist schade, daß man in solche Läden nicht mit Nordic-Walking-Stöcken rein darf. Ob man nun mit seinen Wanderfreunden einen Tag lang durchs Bergische Land zieht oder mit einer einkaufswütigen Frau durch Fußgängerzonen bzw. Möbelhäuser – alles die gleiche Chose. Gekauft haben wir natürlich nix. Sonst hieße das ja auch nicht SHOPPEN. Sondern Einkaufen.

Das Verhältnis zwischen mir und dieser Frau P. ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Für heute soll es genügen zu erwähnen, daß ich immernoch enorme Schwierigkeiten habe, mich ihr gegenüber „normal“ zu verhalten. Ich hasse es, wenn sie in ihren ohnehin eher belanglosen Plaudereien irgendwelche Männer erwähnt, von denen ich WEISS, daß sie mit ihnen schläft. Ich habe keinen Nerv, mir sowas von ihr anzuhören. auch wenn sie niemals aus dem Nähkästchen plaudert. Jedenfalls ist mir ihre Gesellschaft einerseits wertvoll, andererseits schaffe ich es noch immer nicht, mich für ihre neu erworbene Freiheit zu freuen. Missgunst, Neid und Eifersucht. Jawoll, ich geb´s zu. Was soll´s. Ich seh diese Frau vielleicht ein-, zweimal im Monat, sie bombardiert mich mit belanglosen Oberflächlichkeiten, streut ab und an etwas Arsen dazwischen und sieht von Monat zu Monat besser aus. Was so ne Trennung vom einstmals geliebten Göttergatten nicht alles bewirken kann…

Der ganze Tag ging für die Möbel – Conga drauf. Ich bin so geschafft, daß ich nicht mal mit Freunden am Telefon darüber sprechen will. Daß dieser Blog daraus hervor ging, war quasi zwangsläufig.

Gute Nacht, Welt da draußen.

11.10.06 02:48


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